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Energie aus Gras |
| Warum
in die Ferne schweifen, liegt das Gute doch so nah. |
| (Alternativen zur Energieversorgung aus fossilen Quellen) |
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Über sechzig Prozent des Weltenergiebedarfs wird derzeit über Erdöl und Erdgas gedeckt. Jedoch: Fossile Energiequellen stehen nur in begrenzter Menge zur Verfügung - und werden in absehbarer Zeit erschöpft sein. Die gesicherten Erdölreserven reichen aus heutiger Sicht noch maximal 30 bis 40 Jahre, beim Erdgas sieht es nicht viel besser aus. Der Energiebedarf nimmt rasant zu. In Kalifornien kam es heuer mehrmals zu Versorgungsengpässen mit Elektrizität. Bedenklich? Ja, denn Energie spielt in unserer Gesellschaft die Schlüsselrolle schlechthin. Wo kämen wir hin ohne Klimaanlagen, Laptops und Küchenmixer? Eben. An Alternativen
zur Energieversorgung aus fossilen Quellen wird intensiv geforscht. Die
Zeichen der Zeit stehen gut für den Weg in die post-fossile Gesellschaft.
Die Nutzung der Wasserkraft ist mittlerweile ein alter Hut, Biomasseheizwerke
schießen in den letzten Jahren ebenso gehäuft aus dem Boden
wie Windräder und Solaranlagen. Seit kurzem wird auch die Vergärung
von Gras in Biogasanlagen zur Energiegewinnung herangezogen. Biogas
- ein Produkt der Natur Biogas ist
ein Gasgemisch aus Methan, Kohlendioxid sowie geringen Mengen Wasserstoff
und Schwefelwasserstoff. Es bildet sich im Verdauungstrakt der Wiederkäuer,
auf Reisfeldern, Sümpfen und Seen ebenso wie in eigens konstruierten
Gärbehältern. Einzige Voraussetzung für seine Entstehung
ist der Ausschluss von Sauerstoff und das Vorhandensein von Mikroorganismen,
die den Abbau der organischen Substanz zu Biogas ermöglichen. Zu Beginn
des letzten Jahrhunderts wurden erste Versuche zu Produktion von Biogas
gemacht, nach dem zweiten Weltkrieg wurden diese Bemühungen vor allem
in Deutschland und Frankreich intensiviert, kamen aber bedingt durch den
billigen Erdölpreis bald wieder zum Erliegen. Erst die Ölkrise
von 1973 verhalf der bereits in Vergessenheit geratenen Technologie zu
neuen Ehren. Heute sind in Europa mehr als 1.000 Anlagen in Betrieb, alleine
120 davon in Österreich. Graskraft Walter Graf
von der ARGE Biogas pflichtet seinem akademischen Kollegen bei - und legt
noch ein Schäuferl nach: "Mittlerweile sind wir so weit, dass
wir auch Gras und anderes Grüngut vergären können. Das
eröffnet der Landwirtschaft gänzlich neue Perspektiven. Denn
Landwirte mit kleinen und mittelgroßen Betrieben haben heute die
Wahl, ihren Hof entweder aufzugeben oder sich neue, zukunftsträchtige
Nischen zu suchen. Die Erzeugung und Vermarktung von Energie aus Gras
ist eine solche Nische." Der Landwirt
als Energiewirt Sind wir
auf dem Weg zum Kraftwerk Wiese? Gut möglich - Biomasse ist gespeicherte
Sonnenenergie. Zudem belegen Beispiele unter Österreichs Bauern einen
Trend zur neuen Technologie. Im Burgenland
ging 1999 eine Biogasanlage in Betrieb, die ganzjährig mit Sudangras
beschickt wird und eine elektrische Leistung von 500.000 Kilowattstunden
Strom pro Jahr liefert, das entspricht in etwa dem Jahresbedarf von 100
österreichischen Haushalten. Der Anlagenbetreiber Josef Priedl ist
zufrieden: "Das Sudangras ist widerstandsfähig, wächst
auch in wasserarmenen Gegenden sehr gut und liefert hohe Ernteerträge.
Je mehr Biomasse ich in die Biogasanlage einbringen kann, desto mehr Gas
kann ich produzieren und desto höher ist der Erlös aus dem Stromverkauf."
Und nach einer kurzen Pause fügt er hinzu: "Ich würde meine
Anlage jederzeit wieder bauen." Walter Graf
rechnet vor: "Ein landwirtschaftlicher Betrieb kann auf einer Fläche
von 35 Hektar Gras für die Erzeugung von gut 500.000 Kubikmetern
Biogas anbauen. Damit können in einem Blockheizkraftwerk rund 1.000.000
Kilowattstunden Strom erzeugt werden. Bei einem Einspeisetarif von ATS
1,40 (rund 0,1 Euro) ist das eine Menge Geld..." Alles
eine Frage der Größe Die wirtschaftliche
Untergrenze für den Betrieb einer Biogasanlage wird in Österreich
von einem Landwirt alleine oft nicht erreicht. Graf sieht daher einen
Trend zu Gemeinschaftsanlagen: "Schließen sich mehrere Landwirte
für den Bau einer Anlage zusammen, dann können die Investitions-
und Betriebskosten deutlich gesenkt werden. Durch Arbeitsteilung sinkt
der Aufwand des Einzelnen und durch die größeren anfallenden
Mengen Biogas ist eine wirtschaftlichere Nutzung gut möglich. Interessant
wird die Sache ab100 Hektar landwirtschaftlicher Nutzfläche." In Dänemark
- neben Österreich und Deutschland ein Vorreiterland in Sachen Biogas
- verwerten bis zu 50 Landwirte in zwei oder drei Gemeinden ihre organischen
Abfälle in einer gemeinsamen Biogasanlage: Der tägliche Materialeinsatz
beträgt bis zu 500 Tonnen pro Tag. Diese Anlagen sind zumeist an
ein Biomassefernheizwerk angeschlossen. Jens Bo Holm-Nielsen, Professor
an der South Jutland University in Dänemark, gerät beim Blick
in die Zukunft ins Schwärmen: "Das Potenzial von Biogas ist
enorm. Die Technologie ist ausgereift und das europaweite Interesse an
der Nutzung alternativer Energiequellen steigt stetig." Holm-Nielsen
ist Koordinator eines EU-Projektes, das in den Mitgliedsländern,
aber auch in der Slowakei, Polen, den baltischen Staaten und Rumänien
Tagungen und Seminare zum Thema Biogas veranstaltet. Das Credo von Holm-Nielsen.
"Gute Ideen muss man unter die Leute bringen!" Zukunftsmusik
Brennstoffzelle Biogas ist
nicht nur hervorragend geeignet für den Betrieb einer Kraft-Wärme-Kopplung.
Es kann nach entsprechender Reinigung auch in ein örtliches Gasnetz
eingespeist oder aber in komprimierter Form als Treibstoff für Otto-
oder Dual-Fuel Motoren verwendet werden. Der Brennstoffzelle
wird allgemein eine rosige Zukunft beschieden. Die Zeiten, in denen Notebooks
der Saft ausgeht, könnten bald vorbei sein: NEC entwickelte eine
Brennstoffzelle für die Benutzung in mobilen Geräten. Die neue
Zelle bietet eine bis zu zehn Mal höhere Kapazität als gleich
große Lithium-Batterien. Das könnte bedeuten, dass in Zukunft
bei mobilen Rechnern eine Laufzeit von mehreren Tagen möglich sein
wird. NEC erwartet die Markteinführung der neuen Batterien bis 2005. Die Zukunft hat viele Namen. Für die Schwachen ist sie das Unerreichbare. Für die Furchtsamen ist sie das Unbekannte. Für die Tapferen ist sie die Chance. |
| Text: Karin Mairitsch |
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Letzte
Änderung am
Montag 3 November, 2003 9:00
von Webknecht.
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