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Zigaretten aus Wien |
| Die Weihnachtsgeschichte - Teil 4 |
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Susi
hatte den Schlussakt der Auseinandersetzung trotz des tobenden Sturms
mitbekommen. Vor ihr klaffte der Riss quer über die Straße
und bot einen Blick auf Dinge, die sie noch nicht oft gesehen hatte. Obwohl,
der eine Freier, der mit dem krummen Zumpferl, der war noch besser ausgerüstet
als die da unten ... Sie
sah hoch und beobachtete die letzten vier-, fünfhundert Sprünge
des erzürnten Weihnachtsmanns. Keine schlechte Technik hat der Junge,
aber er müsste dem Parkwachler mehr ins Kreuz steigen. Sie tötete
ihre Zigarette ab und zündete sich eine neue an. Interessant. Die
Nummer mit den Rentieren kannte ich noch nicht. Aber mit Tieren hab ich's
auch nicht so ... "Sag
mal, kennen wir uns nicht?", brüllte er. Normalerweise war das
die übliche Anmache, aber in diesem Fall ... Die
Erde schüttelte sich. Und
auf einem Mal fiel es Susi ein: "Aber ja!", rief sie gegen den
Sturm. "Du warst mein erster Freier! Es war das gleiche Hundewetter
wie heute, es war Weihnachten, so wie heute, und du hast mir's mächtig
besorgt!" Sie strahlte. "Und anschließend hast mir fünfhundert
Schilling dagelassen. Und da hab ich mir dacht, dass das ein mächtig
schnell verdientes Geld ist, und hab den Job in der Trafik hing'schmissen."
Sie errötete wie eine Anfängerin. "Na ja, die Melonen sind
heute eher Zucchini. Aber wenn du Lust hast - dir mach ich's umsonst!" Dann
folgte er der Hure, die ihren tief hängenden Hintern lasziv hin und
her bewegte. *** Der Weihnachtsmann
wurde noch am selben Tag entlassen und besitzt heute ein gut gehendes
Geheimbordell in Gramatneusiedl. Susi Pospisil
steht nach wie vor an ihrem Stammplatz. Ihr neuer Freund - ein junger
Mann, der aus der Spalte in der Felberstraße geklettert kam - bot
ihr einen gutdotierten Arbeitsvertrag für die strenge Kammer an.
Natürlich über ihren Tod hinaus. Ernesto der
Sandler, kaufte mit seinen letzten Schillingen ein Brieflos, wurde reich,
berühmt und schließlich Infrastruktur-Minister. Die kläglichen
Überreste des Magistratsbeamten Berthold wurden am Zentralfriedhof
bestattet. Sie sind heute beliebtes Ausflugsziel frustrierter Wiener Autofahrer,
die auf sein Grab spucken. Rudolph,
das Rentier, erfüllt von Zeit zu Zeit im Bordell des ehemaligen Weihnachtsmannes
besondere Wünsche und säuft sich langsam zu Tode. Die Getränkefirma
in Atlanta schloss noch am selben Abend einen hochdotierten Werbevertrag
mit dem Christkind ab.
Ende |
| Text: Michael Marcus Thurner |
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Letzte
Änderung am
Donnerstag 12 Juni, 2003 22:44
von Webknecht
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