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Home - Geschichten - herr L. in gefahr
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| herr
L. in gefahr
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| wo bleiben die abfangjaeger? |
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dienstag, 19.11., 20.45. die U-bahnstation friedensbruecke. schwach besetzt von einigen ueberstundenheimkehrern und nachtschwaermern am beginn ihrer runde. finsterer himmel, leichter regen. truebe stimmung, kaum gespraeche am bahnsteig. eine durchsage der verkehrsbetriebe, vorgetragen von einer dieser freundlichen fernsehsprecherinnen auf tonband: "sehr geehrte fahrgaeste! in dieser U-bahn station wurden soeben taschendiebe gesichtet. bitte achten sie auf ihre wertgegenstaende." ..... jeder - absolut jeder, also auch ich, sieht sich seine nachbarn zu beiden seiten an. zum ersten mal sehen sich die unterschiedlichsten menschen in einer U-bahn-station in die augen. und stellen erschrocken fest: der/die koennte es sein. es beginnt
eine neuausrichtung der standorte. man versucht, einen sicherheitsabstand
zu den anderen menschen herzustellen. 2,5 meter im schnitt. die verbleibenden
1 1/2 minuten zum eintreffen der U-bahn sind die angespannteste zeit seit
langem. wenn jetzt ein wartender - nur einer - einen falschen schritt
macht, gibt es lynchjustiz, das steht außer zweifel. da es regnet
haben die leute regenschirme in der hand. sie halten sie jetzt mit festem
griff, als waeren es schlagstoecke. kaum jemand im haltestellenbereich
wuerde vor dem einsatz einer waffe zurueckschrecken, wenn er eine haette.
denn es handelt sich ja immerhin um handtaschenraeuber. die schlimmste,
toedlichste spezies, die es gibt...die machen keine gefangenen, mein lieber. endlich kommt
die U-bahn. aber statt erloesung bringt sie noch mehr anspannung, denn
die fahrgaeste sammeln sich zum einsteigen bei den waggontueren. der sicherheitsabstand
ist dahin! und außerdem steigen ja die taschendiebe hoechstwahrscheinlich
- um himmels willen - mit in die U-bahn ein! und im waggon gibt es kein
entrinnen... wir sind alle verloren! ich halt
das nicht mehr aus. meine paranoia schickt mir eine ansichtskarte nach
der anderen. rossauer laende. ich muss raus hier. selbst wenn ich nicht
raus muesste, muss ich raus. weg von all den verbrechern. drei steigen
mit mir aus. ich stelle beruhigt fest, sie tragen alle diverse koeffer,
taschen etc., haben also keine freien haende zum taschenstehlen. anm. d. verf.: die ersten beiden absaetze sind leider wahr. |
| text: alexander leopold |
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Letzte
Änderung am
Donnerstag 12 Juni, 2003 22:36
von Webknecht.
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