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Erster
Tag
(1:1)
Am Anfang schuf ich Himmel und Erde.
Das Ergebnis war nicht besonders spektakulär - aber dennoch zufriedenstellend.
Es war ein Beginn. Mehr nicht.
(1:2) Doch die Erde war wüst und leer, und es war finster. Also
sprach ich: Es werde Licht. Ich nannte das Licht Tag, und die Finsternis
Nacht.
Eine leichte Tentakelübung, doch mit viel Routinearbeit verbunden.
Ich streckte meine Glieder und ließ die Spinndrüsen anschwellen.
Das viele Sitzen machte mich müde und faul. Das Eitersekret, mit
dem ich meine Nachgeborenen nährte, würde heute nicht besonders
schmackhaft sein.
Einige der frechen Bengel zeigten mir bereits keck ihre graugelben Mahlstümpfe.
Ein Grund mehr, ein Exempel zu statuieren. Ich zerquetschte drei der vorlautesten
und verfütterte sie an die fleischfressenden Schmuckchimären
am Balkon.
Zweiter
Tag
(1:7)
Ich machte eine Feste zwischen den Wassern und schied das Wasser unter
der Feste von dem Wasser über der Feste.
Ich schneiderte Küstenlinien und Gebirgszüge, ich formte Sümpfe
und trockene Wüsten, ich bildete heißblütige Vulkane und
einander liebkosende Landplatten. Die künftigen Bewohner meiner Welt
sollten es nicht allzu leicht haben.
Hatte ich es etwa leicht in meinem Job? Meine Kollegen hassten mich, und
ich hasste sie.
Ich musste meine Nachkömmlinge dringend füttern, doch ich hatte
keine gesteigerte Lust, frisches Sekret zu produzieren. Also ließ
ich sie aus dem Bauchbeutel und wartete, bis sie vier ihrer schwächsten
Geschwister zerrissen und verspeist hatten. Es wurde ohnehin Zeit, dass
sie sich an Fleischkost gewöhnten.
Dritter
Tag
(1:9)
Ich sprach: Es sammle sich das Wasser unter dem Himmel an besonderen Orten,
dass man das Trockene sehe. Ich nannte das Trockene Erde, und die Sammlung
der Wasser Meer.
(1:12) Ich ließ Gras und Kraut aufgehen, das sich besamte, jegliches
nach seiner Art, und fruchtbare Bäume, die, ein jeglicher nach seiner
Art, Früchte trugen.
Sehr gut. Zufrieden flatulierte ich, und der angenehm feuchte Wohnkubus
füllte sich mit wohligem Geruch. Als die Weißmehlwürmer,
vom Odeur angelockt, ihre Aaslöcher in den hölzernen Wänden
verließen, entließ ich die Nachgeborenen aus meinem brodelnden
Bauchsack. Begierig stürzten sie sich auf die leichte Beute, und
ich hatte endlich Zeit, ein wenig nachzudenken.
War der Ansatz, den ich gewählt hatte, gut? Es gab kein Regelbuch
über eine richtige Vorgehensweise. Ich verließ mich auf meine
Intuition. Wie, zum Rotzschmotz, konstruierte man eine neue Welt?
Der streithafteste und klügste meiner Nachkömmlinge hatte sich
an den Würmern fett gefressen.
Zu fett.
Er konnte sich nicht mehr wehren, als ich ihm den Hals umdrehte. Genüsslich
verschlang ich ihn. Das würde die anderen lehren, immer - immer!
- auf der Hut zu sein.
Vierter
Tag
(1:14)
Ich sprach: Es werden Lichter an der Feste des Himmels, die da scheiden
Tag und Nacht und geben Zeichen, Zeiten, Tage und Jahre.
(1:16) Ich machte zwei große Lichter: ein großes Licht, das
den Tag regiere, und ein kleines Licht, das die Nacht regiere, dazu auch
Sterne.
Es war reichlich kompliziert, die Himmelskörper auszubalancieren.
Umlaufgeschwindigkeiten, Rotationsperioden, Anziehungskräfte, Massedichten
und ähnliches Pipapo mussten berechnet und zueinander in Relation
gebracht werden.
Mein Werk sollte etwas Besonderes werden. Hätte ich nur mehr Zeit
gefunden, meinem Hobby zu frönen! Das ewige Malochen in der Schleimschneiderei
erschöpfte. Nach getaner Arbeit konnte ich mich nur noch schwer aufraffen,
zu Hause kreativ zu werden.
Zornig über meine eigene Trägheit, griff ich in den Bauchsack,
zog willkürlich ein paar der Nachgeborenen heraus und schleuderte
sie wütend in den Mikrowellen-Verbrennungsofen.
Fünfter
Tag
(1:20)
Ich sprach: Es errege sich das Wasser mit webenden und lebendigen Tieren,
und Gevögel fliege auf Erden unter der Feste des Himmels.
(1:22) Seid fruchtbar und mehret euch und erfüllt das Wasser im Meer;
und das Gefieder mehre sich auf Erden.
Ein Höhepunkt meines bisherigen Schaffens! Vogel- und Tierwelt gelangen
mir in bizarrer Obskurität, die ihresgleichen suchte. Mein Chef,
Hadschewish, der alte Schleimscheisser - diesen Begriff muss man selbstverständlich
wörtlich nehmen - wäre entzückt gewesen über meinen
Einfallsreichtum.
Die rasch heranwachsende Nachkommenschaft schob und drängelte sich
im enger werdenden Bauchbeutel. "Ruhe", brüllte ich, schlug
ein paar Mal heftig gegen meinen Leib, und entsorgte diejenigen, die es
erwischt hatte. Die paar plattgedrückten Fleischfetzen würden
guten Biodung abgeben für die anstehende Aussaat meiner Pustelbeeren,
die ich heimlich im Keller züchtete.
Ein wirklich tolles Stimulans, aber schwer zu pflegen.
Und verboten.
Sechster
Tag
(1:25)
Und ich machte die Tiere auf Erden, und das Vieh nach meiner Art, und
allerlei Gewürm auf Erden nach seiner Art.
(1:27) Und ich schuf den Menschen mir zum Bilde, und schuf einen Mann
und ein Weib.
Ouäh - was waren diese Wesen hässlich geworden!
Was hatte ich nur falsch gemacht? Men-sch war tatsächlich die richtige
Bezeichnung für diese - diese - Obszönitäten. Ein Wort,
das in seiner Abscheulichkeit keine ähnliche Entsprechung hatte und
annähernd namenloses, entsetzliches Grauen bedeutete.
Die dünnen, knöchrigen Fleischpodien mit fünfgliedrigen
Anhängseln.
Der hässliche Kugelkopf mit seinen wenigen, nur rudimentär ausgeprägten
Sinnesorganen.
Der röhrenartige Körper, der die Schönheit der Innenorgane
verschämt verbarg.
Die widerliche Körperbehaarung.
Die mikroskopisch kleinen Geschlechtsorgane.
Angewidert brach ich meine Arbeit ab. Morgen war dienstfrei. Vielleicht
würden mir noch einige Verbesserungen einfallen. Obwohl ich zweifelte,
dass man daran etwas verschönern konnte.
Ich stülpte meinen Innenkörper nach außen und ließ
Lunge, Magen, Leber und die anderen Organe heraushängen. Was für
eine Erleichterung, sich nach Feierabend faul im Staubsud zu wälzen
und den Dampf der Pustelbeeren wirken zu lassen. Schläfrig ließ
ich mich fallen - und vergaß, dass meine Nachkömmlinge nunmehr
ungeschützt unter mir lagen.
Ich begrub ihre zerquetschten Leiber im feuchten Boden des Vorratsraumes
- sie würden eine leidlich gute Pastete abgeben - und betrachtete
zärtlich die übriggebliebenen sechs Bälger. Vor lauter
Rührung über meine aufkommenden Elter-Gefühle schluchzte
ich herzzerreißend. Ich war, ich musste es mir eingestehen, zu weichherzig.
Sowohl den Nachgeborenen als auch den Kollegen gegenüber. So würde
ich es in meinem Leben nie zu etwas bringen.
Traurig sabbernd schlief ich ein.
Siebenter
Tag
(2:1)
Also ward vollendet Himmel und Erde mit ihrem ganzen Heer.
(2:2) Und also vollendete ich am siebenten Tage meine Werke, die ich machte,
und ruhte am siebenten Tage von allen meinen Werken, die ich machte.
(2:3) Ich segnete den siebenten Tag und heiligte ihn, darum dass ich an
demselben geruht hatte von allen meinen Werken, die ich schuf und machte.
Mein Körper schmerzte, die vielen Augen und Münder schmerzten,
und, da ich im Rausch vergessen hatte, die Organe wieder ins Innere zu
stülpen, schmerzten auch sie vor Trockenheit. Ich spie einen ansehnlichen
Schwall bröckliger Brühe ins Toilettenpool, bevor ich mich zurück
in den Hobbyraum schleppte.
Das dreidimensionale Holobild war noch in Betrieb und zeigte mir, was
ich in den letzten Tagen am Computer programmiert hatte.
Was für ein Fehlwurf! All die Anstrengungen, die ich unternommen
hatte, um meinen Nachgeborenen ein wenig Freude für die nächsten
Lebenswochen zu schenken. Sie sollten beobachten können, wie das
virtuelle Leben wuchs und sich weiter entwickelte. Aber konnte ich ihnen
diese widerwärtigen... Men-schen zumuten?
Ich vertrieb die Muskelschmerzen, indem ich mich mit Pustelbeeren-Extrakt
einrieb. Übergangslos fühlte ich mich wohler.
Allerdings auch um eine Potenz - geiler. Ich hatte Lust. Unbändige
Lust auf ungehemmten, schleimigen Sex. Wenn sich meine Häute mit
denen eines Liebhabers vereinten, wenn sich Leber, Milz und Nieren zärtlich
aneinander rieben, wenn sich ... ach!
Ich musste mir einen Partner suchen. Sofort!
Was nutzte mir diese unsinnige Computer-Simulation? Meine sechs noch lebenden
Nachgeborenen musste ich ohnehin beseitigen; sie würden bei jedem
anständigen Sexualakt nur im Weg sein.
Und das Spiel? Nun, ich würde es einmal abspeichern, den Figuren
eine religiös verbrämte Dokumentation überlassen und selbständig
vor sich hintümpeln lassen. Möglicherweise konnte ich dadurch
einige Erkenntnisse für eine verbesserte Version gewinnen. Ich schrieb
spaßeshalber noch ein paar Cheats, fertigte ein mögliches Endszenario
des Spiels an, tötete zu guter Letzt meine Nachgeborenen und verließ
den Wohnkubus.
Die dunkelrote Tönung meiner Geschlechtsorgane würden es leicht
machen, einen Partner zu finden.
Vielleicht würde ich mich wieder befruchten lassen? Schließlich
liebte ich Kinder.
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