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Am Anfang war der Gasmotor

Die Automobilindustrie hat ihre Hausaufgaben gemacht, die Tankstellenbetreiber ziehen nach. Jetzt kommt das Erdgas-Auto!
 


Die Entwicklung von Gasfahrzeugen begann vor mehr als 150 Jahren: 1862 baute Étienne Lenoir das erste Gasmotorenautomobil. 14 Jahre später schuf Nikolaus Otto das erste Benzinfahrzeug. Bei der Entwicklung des auf der Verdichtung eines Gas-Luft-Gemisches beruhenden Ottomotors orientierte er sich am Gasmotor von Lenoir. Vom Gas zum Benzin ist es kein weiter Weg, und manchmal geht man einen einmal begangenen Weg auch wieder zurück.

Fakt ist im Jahre 2007: Über den Globus verteilt sind wieder 4,6 Millionen Fahrzeuge mit Erdgas unterwegs. Vorreiter sind Argentinien (1.5 Mio. Fahrzeuge), Brasilien (1 Mio.), Pakistan (700.000), Italien (382.000) und Indien (222.000). Und der Markt wächst mit großen Schritten. Citroen, DaimlerChrysler, Fiat, Ford, Opel, Peugeot, Renault, Volkswagen und Volvo haben fixfertige Erdgasmodelle im Angebot, die Palette reicht vom PKW über den Familienvan bis hin zu Nutzfahrzeugen und Bussen. Es gibt gute Argumente für einen Umstieg: Erdgas verbrennt ohne Ruß, ohne Schwefel und ohne feste Rückstände. Beim Kohlendioxid spart der Erdgasantrieb rund 10 Prozent der Emissionen, der Partikelausstoß verringert sich um bis zu 85 Prozent und Stickstoffoxide sind kaum nachweisbar.

Äußerlich lassen sie sich von ihren Benzingeschwistern nicht unterscheiden. Ihr Triebwerk ist ein Ottomotor, der auf den Betrieb mit Erdgas (CNG - Compressed Natural Gas) optimiert ist, erst ein näherer Blick offenbart das spezielle Einspritzsystem, das geänderte Motorenmanagement, die angehobene Verdichtung, und natürlich den Gastank. Wobei sämtliche am europäischen Markt befindliche Gasfahrzeuge als Konsequenz des noch dünnen Gastankstellennetzes neben dem Gastank auch über einen Benzin-Reserve-Tank verfügen.

Die Henne-Ei-Problematik

In Österreich gibt es gerade mal 40 öffentliche Gaszapfsäulen – und äußerst bescheidene 500 gasbetriebene Fahrzeuge. Es ist eine alte Geschichte: Keine Gastankstellen, keine Gasautos, keine Gasautos, keine Gastankstellen. Doch das soll sich bald ändern, denn nicht zuletzt aufgrund der Situation in Italien und Deutschland ist auch hierzulande die Nachfrage nach Gastankstellen gestiegen – wir sind eben ein Transitland. Folgerichtig hat sich die OMV gemeinsam mit anderen heimischen Erdgasanbietern nun dazu entschlossen, die Anzahl österreichischer Gastankstellen bis 2010 auf insgesamt 200 flächendeckende Stück zu erhöhen. „Die Diversifizierung der Treibstoffquellen ist ein wichtiger Punkt für die Zukunft, auch in Hinblick auf Versorgungssicherheit“, erklärt Thomas Huemer , Pressesprecher der OMV Aktiengesellschaft.
Bis zum Jahre 2013 will man so in Österreich 100.000 Gasfahrzeuge auf die Straße bringen. Diese sollen mit einer Mischung aus 80 Prozent Erdgas und 20 Prozent aufbereitetem Biogas („Bio-CNG“) betrieben werden. Ein noch offener Punkt auf diesem Weg ist allerdings die zur Diskussion stehende Mineralölsteuer für einen derartigen Treibstoff.

Pro und Kontra

Erdgasfahrzeuge gelten als besonders sparsam. Mit Erdgas fährt es sich im Vergleich zu Diesel um bis zu 30 Prozent günstiger, im Vergleich zu Benzin sind es gar bis zu 50 Prozent. Tanken aus dem Kleingeldfach: Unsere Testfahrt im Opel Combo 1.6 CNG ergab im Schnitt schlanke vier Euro auf 100 Kilometer. Auf der anderen Seite der Medaille steht die Tatsache, dass gasbetriebene Fahrzeuge in der Anschaffung teurer sind als vergleichbare Benzin- oder Dieselvarianten. Der CNG-Antrieb ist heutzutage nur für Vielfahrer wirtschaftlich interessant. Ein Schwachpunkt ist auch die Reichweite, sie beträgt mit Gas nur 300 bis 350 Kilometer. Bei Umschalten auf Benzinantrieb kommen zwar noch mal 150 Kilometer dazu, allerdings werden diese mit einem vergleichsweise hohen Verbrauch erkauft, da das Fahrzeug ja auf den Betrieb mit CNG optimiert ist. An neuartigen kompakten Hochdruck-Gastanks wird bei Magna International gearbeitet.

Aus heutiger Sicht ist die Versorgung mit Erdgas für die nächsten 90 Jahre gesichert. Laut OMV erhöhen neue Auffindungsmethoden die wahrscheinliche Verfügbarkeit um weitere 120 Jahre.

 
Text: Karin Mairitsch
 
 
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Letzte Änderung am Montag 19 März, 2007 20:48 von Webknecht