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Leben mit Hindernissen

Leistungssport ist große Schule fürs Leben.
Was man lernt, ist Konsequenz.
(Elmar Lichtenegger, EM-Silbermedaillen-Gewinner 60 Meter Hürden)
 

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"Also wennst magst, dann hupf ich für ein Foto drüber", meint er und schenkt uns ein strahlendes Lächeln. "Das geht aus dem Stand, da brauch ich keinen Anlauf. Hoch ist sie ja nicht, die Wild Star ..." Sie könnte locker einen halben Meter höher sein.

Die Hürden sind 107 Zentimeter hoch

Auf sich aufmerksam machte er erstmals vor sieben Jahren, als er sich bei einem Wettkampf in der Schweiz für die Olympischen Spiele in Atlanta qualifizierte. Er war gerade 21 geworden, und er trainierte damals noch eher nebenbei, widmete seine Zeit halb dem Studium und halb dem Sport. Die Qualifikation und die Teilnahme in Atlanta beim 110-Meter-Hürden-Lauf waren ein einschneidendes Erlebnis für ihn. Es war die Erfüllung eines Traumes, es war Glück, es war die reine Freude, es war die Erlösung, es war alles. 115.000 Zuschauer sahen ihm zu, als er im Stadion über die Hürden sprang, und wenngleich er damals fern jeder Medaillenchancen lag, zog Elmar Lichtenegger seine Schlussfolgerungen: Er hängte sein Studium an den Nagel und entschied sich gegen die akademische und für die rotgummierte Laufbahn.
Konsequenz ist eine menschliche Stärke (und Inkonsequenz eine häufige menschliche Schwäche). Seit 1997 ist Elmar amtierender Staatsmeister über 110-Meter-Hürden, er kam bei den Olympischen Spielen 2000 in Sydney ins Semifinale, und er holte sich bei der heurigen Hallen-Leichtathletik-Europameisterschaft in Wien die Silbermedaille im 60-Meter-Hürdenbewerb. Respekt. Mit starkem Willen, der gehörigen Portion Kraft, der ordentlichen Motivation und dem Vater als Trainer schafft man alles.

Nichtraunzerzone

Beim Aufbautraining für die Sommersaison zog sich Elmar im Mai eine höchst schmerzhafte und langwierige Fersenprellung zu. "Es war Pech. Ich habe die achte Hürde schlecht erwischt, und die Ferse hat mich von 37 Stundenkilometern auf Null gebremst. Aua!" Vier Wochen lang konnte er nicht ordentlich auftreten, der Trainingsrückstand war kaum mehr aufzuholen. Zwar konnte er dank Therapie und hartem Training bei der Europameisterschaft Anfang August in München an den Start gehen, musste sich aber mit dem für ihn ungewöhnlichen neunten Platz zufrieden geben.
"Bisher habe ich immer Glück gehabt", meint er und klopft auf die Platte des schweren Holztischs im Gastgarten des Stadionwirtes. "Verletzungen gilt es zu akzeptieren, sich mit ihnen zu arrangieren, sich zurechtzufinden, und so bald wie möglich seine ursprüngliche Kondition wiederherzustellen. Das schöne an Verletzungen ist doch: Es kann nur besser werden. Für die Wintersaison bin ich sehr zuversichtlich." Wir beneiden ihn um seine positive Art zu denken. Und Elmar setzt noch eins drauf: "Was ich nicht leiden kann, sind Raunzer und Jammerer. Tatsachen sind Tatsachen, doch man hat immer die Möglichkeit, etwas zu ändern. Also ist es das beste, nach vorne zu schauen, es anzugehen und sich nicht mit falschen Gedanken aufzuhalten." Alles eine Frage des freien Willens?

Der Körper als Werkzeug und Kapital

Elmar lebt vom Leistungssport und damit von seinem Körper. Er mag schnelle Autos, fährt leidenschaftlich gerne Kart, und er lässt auch sonst nicht viel aus, was mit Geschwindigkeit zu tun hat. Und ja, am liebsten hätte er eine Ducati. "Weil sie so herrlich südländisch sind, so erfrischend sportlich und so, so ... so wunderbar rot. So dings halt! Doch, doch, eine 996er wär schon was." Aber: "Ich kenn mich. Auf einer Ducati müsste ich ausprobieren, was geht, was der Motor und die Schräglage hergibt. Und ich zahl schon mit dem Auto genug Radarstrafen. Ganz abgesehen davon ist es ja auch nicht ganz ungefährlich, und bei meinem Beruf kann ich mir einen Unfall echt nicht leisten." Es hätte auch eine Harley werden können, eine Fat Boy könnte ihm schon auch gefallen. "Da war ich dann im Geschäft und hab feststellen müssen, dass man noch einmal 15.000 Euro reinstecken muss, damit das Ding dann auch so ausschaut, wie man es sich vorstellt. Das ist doch blöd, oder?" Wir schweigen.
Und dann kommt die Conclusio des Elmar Lichtenegger: "Mit der Wild Star bin ich durchaus zufrieden. 1600 Kubik waren eine verdammt gute Basis für ein ordentliches Motortuning. Dann noch ein paar Chromteile drauf, andere Blinker, kleine Rückspiegel, ein neuer Luftfilterkasten, eine mächtige Auspuffanlage und was man halt sonst noch so braucht. Sie ist schön und sie bringt mich nicht zu sehr in Versuchung. Ich mag sie sehr gern, mein Baby." Das sieht man.
Zum fahren kommt er nicht so viel, wie er gerne würde, zu zeitintensiv ist das Training, und zu wertvoll sein Kapital. Einmal war er für ein paar Tage in Italien unterwegs, zweimal war er beim Harley-Treffen am Faaker See ("Sagenhaft! Das muss man gesehen haben! Die unglaublichsten Leute machen auf den unglaublichsten Motorrädern die unglaublichsten Sachen! Da fahren Frauen pudelnackert spazieren ... wo gibt's denn so was ?"), doch hauptsächlich benützt er seine Wild Star zum Auslüften vor wichtigen Wettkämpfen. "Es macht so frei im Kopf."

Und wenn er einmal seine Karriere als Leistungssportler beenden wird, dann wird er sich seinen roten Traum erfüllen. Konsequent. Soviel ist sicher.

 
Text: Karin Mairitsch
 
(Artikel erschienen im "Motorradmagazin")
 
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Letzte Änderung am Mittwoch 11 September, 2002 9:46 von Webknecht.