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Leben mit Hindernissen |
| Leistungssport
ist große Schule fürs Leben. Was man lernt, ist Konsequenz. |
| (Elmar Lichtenegger, EM-Silbermedaillen-Gewinner 60 Meter Hürden) |
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hier geht's zum bild "Also wennst magst, dann hupf ich für ein Foto drüber", meint er und schenkt uns ein strahlendes Lächeln. "Das geht aus dem Stand, da brauch ich keinen Anlauf. Hoch ist sie ja nicht, die Wild Star ..." Sie könnte locker einen halben Meter höher sein. Die Hürden sind 107 Zentimeter hoch Auf sich
aufmerksam machte er erstmals vor sieben Jahren, als er sich bei einem
Wettkampf in der Schweiz für die Olympischen Spiele in Atlanta qualifizierte.
Er war gerade 21 geworden, und er trainierte damals noch eher nebenbei,
widmete seine Zeit halb dem Studium und halb dem Sport. Die Qualifikation
und die Teilnahme in Atlanta beim 110-Meter-Hürden-Lauf waren ein
einschneidendes Erlebnis für ihn. Es war die Erfüllung eines
Traumes, es war Glück, es war die reine Freude, es war die Erlösung,
es war alles. 115.000 Zuschauer sahen ihm zu, als er im Stadion über
die Hürden sprang, und wenngleich er damals fern jeder Medaillenchancen
lag, zog Elmar Lichtenegger seine Schlussfolgerungen: Er hängte sein
Studium an den Nagel und entschied sich gegen die akademische und für
die rotgummierte Laufbahn. Nichtraunzerzone Beim Aufbautraining
für die Sommersaison zog sich Elmar im Mai eine höchst schmerzhafte
und langwierige Fersenprellung zu. "Es war Pech. Ich habe die achte
Hürde schlecht erwischt, und die Ferse hat mich von 37 Stundenkilometern
auf Null gebremst. Aua!" Vier Wochen lang konnte er nicht ordentlich
auftreten, der Trainingsrückstand war kaum mehr aufzuholen. Zwar
konnte er dank Therapie und hartem Training bei der Europameisterschaft
Anfang August in München an den Start gehen, musste sich aber mit
dem für ihn ungewöhnlichen neunten Platz zufrieden geben. Der Körper
als Werkzeug und Kapital Elmar lebt
vom Leistungssport und damit von seinem Körper. Er mag schnelle Autos,
fährt leidenschaftlich gerne Kart, und er lässt auch sonst nicht
viel aus, was mit Geschwindigkeit zu tun hat. Und ja, am liebsten hätte
er eine Ducati. "Weil sie so herrlich südländisch sind,
so erfrischend sportlich und so, so ... so wunderbar rot. So dings halt!
Doch, doch, eine 996er wär schon was." Aber: "Ich kenn
mich. Auf einer Ducati müsste ich ausprobieren, was geht, was der
Motor und die Schräglage hergibt. Und ich zahl schon mit dem Auto
genug Radarstrafen. Ganz abgesehen davon ist es ja auch nicht ganz ungefährlich,
und bei meinem Beruf kann ich mir einen Unfall echt nicht leisten."
Es hätte auch eine Harley werden können, eine Fat Boy könnte
ihm schon auch gefallen. "Da war ich dann im Geschäft und hab
feststellen müssen, dass man noch einmal 15.000 Euro reinstecken
muss, damit das Ding dann auch so ausschaut, wie man es sich vorstellt.
Das ist doch blöd, oder?" Wir schweigen. Und wenn er einmal seine Karriere als Leistungssportler beenden wird, dann wird er sich seinen roten Traum erfüllen. Konsequent. Soviel ist sicher. |
| Text: Karin Mairitsch |
| (Artikel
erschienen im "Motorradmagazin")
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Letzte
Änderung am
Mittwoch 11 September, 2002 9:46
von Webknecht.
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