| Home
- Personen - Alf Poier
|
|
Die Kunst ein Motorrad zu warten |
| Der
Unterschied zwischen Träumen und Visionen liegt darin, dass man aus Träumen irgendwann einmal aufwacht. |
| (Alf Poier, Kabarettist) |
|
hier geht's zum bild Es ist 11
Uhr Vormittag, der Himmel ist wolkenlos, die Sonne scheint hell und unbarmherzig.
Alf Poier ist noch nicht ganz munter, die Augen sind klein, das Kabarett
des letzten Abends hat nicht gleich nach der Vorstellung geendet. Doch
dann sieht er die Harley, kniet ehrfürchtig vor ihr am harten Boden
nieder, faltet bedächtig die Hände vor dem Gesicht zusammen,
drückt behutsam die Fingerspitzen an die Stirn, murmelt leise Silben,
wippt mit dem Oberkörper sanft hin und her - und betet sie an. Dann
richtet er sich auf, ein strahlendes Lächeln huscht über sein
Gesicht, seine blauen Augen leuchten und im schönsten Steirisch sagt
er: "Wia schwa is'n dej?" Gegensätze
ziehen sich an Von sich
selber sagt er, er sei ein Einzelgänger und ein unruhiger Geist.
Bei den Motorrädern haben es ihm vor allem dicke, fette Chopper angetan.
"Harleyfahrer treffen sich in der Gruppe und strahlen die gewisse
Ruhe aus. Man ist mit sich und der Welt eins, wenn man am Motorrad sitzt."
Als er noch ein Kind war, da hatte die Welt noch keinen Namen, nun nimmt
er einen bedächtigen Schluck vom Cappuccino und einen tiefen Zug
von der Zigarette und fügt hinzu: "Und darum geht es doch letztenendes:
Mit sich und der Welt eins zu werden." Frauen,
Frösche, Kant und Klopapier Alf Poier
ist schnell, und ebenso ist sein Programm. Er ist ein Suchender, einer,
der die Dinge verstehen muss, um sie gelten lassen zu können. Sein
beruflicher Werdegang spricht eine deutliche Sprache: Aufgewachsen in
einem kleinen Nest in der Nähe von Judenburg ging er nach der Handelsakademie
nach Graz, wurde dort Filialleiter bei Billa, studierte Schlagzeug, war
Langstreckenläufer in der österreichischen Leichtathletik-Nationalmannschaft,
verdiente sich sein Geld als Kellner, Möbelpacker, Musiker, Zeitsoldat,
Empfangsdame, Türenverkäufer, Russputzer und als Zeitsoldat.
Und dann als Kabarettist. Sein ganzes Leben ist ständig in Bewegung.
Tourneen durch Österreich und Deutschland, Fernsehshows, CD-Produktionen,
die Idee für ein mystisches Musical sowie Angebote vom Film. Die
Einladung zu einem Auftritt bei Kommissar Rex hat er mit einer auf Schreibmaschine
getippten Antwort zu Grabe getragen: "Nur wenn ich den Rex spielen
darf!" Wir bleiben noch lange sitzen und sehen ganz schön verwurlt aus. |
| Text: Karin Mairitsch, Christoph Michalke |
| (Artikel
erschienen im "Motorradmagazin")
|
|
Letzte
Änderung am
Mittwoch 11 September, 2002 9:46
von Webknecht.
|