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Urlaub im Kloster |
Über
das Leben mit einer blütenweißen Weste
Ein Tatsachenbericht
von Karin Mairitsch
Elisabeth Fink, die Pförtnerin, empfängt mich streng, aber mit einem Lächeln um die Lippen. „Möchten Sie für Ihren Aufenthalt bei uns lieber das Barockzimmer im Hauptgebäude oder ein schlichtes Zimmer im Exerzitienhaus?“ Beim Gedanken an goldene Bilderrahmen und moosgrüne Samtsofas steigt leichte Übelkeit in mir auf. Nein, bitte nicht, kein Luxus, ich will nichts, gar nichts, ganz im Gegenteil, ich brauche Ruhe, Ruhe, weiße Wände, Abgeschiedenheit, Schweigen und karges Essen. Überarbeitet? Ich bitte Sie!
Sie überreicht mir den passenden Schlüssel.
Es geht es ans Eingemachte
Beim Frühstück am nächsten Tag ist noch alles in Ordnung, gegen Mittag jedoch macht sich Unruhe in mir breit. Ich unternehme einen Spaziergang, blicke in die Ferne, nehme ein Buch zur Hand, versuche mich zu entspannen, aber nichts, die Unruhe wird immer massiver. Da ist etwas, das ich nicht wirklich kenne, etwas, das mich mit kalter Hand im Nacken packt, mich beutelt, kurz loslässt, und wieder beutelt. Hilfe! Ich stehe vor einer weißen Wand, zurückgeworfen auf mich selber. Die Wand reflektiert alles. In Panik suche ich meine Sachen zusammen, will schon das Geld für zwei Nächte auf den Tisch zu legen und, mir nichts, Dir nichts, einfach zu verschwinden.
Doch, der Himmel weiß warum, ich halte durch. Mit tiefen Falten zwischen den Augen begebe ich mich also zum Abendgebet der Mönche. Es ist 18 Uhr. Um 18 Uhr 10 komme ich zur Ruhe, die sanften Gesänge tun ihre Wirkung. Alte christliche Tradition, keine Vorurteile bitte. Gemeinsam mit der Bruderschaft ist das meditieren ein leichtes, die Mönchen nehmen dich einfach mit. Ich bin erstaunt, wie ungemein leicht sich die Mitte anfühlt.
Nonne für fünf Tage
Mein Schlaf ist der eines Steines. Beim Frühstück leistet mir Pater Johannes Maria beim Frühstück Gesellschaft. „Gib Dir selber Raum und Zeit“, sagt er mir zwischen zwei Schluck vom tiefschwarzem Espresso mit auf den Weg. Wie? Raum und Zeit? Den Rest des Tages verbringe ich damit, über diesen Satz nachzudenken.
Dass ich wenige Tage später die Beichte ablege, ist nur konsequent. 25 sündige Jahre lassen meinen Körper unter Tränen erbeben. Auf Knien empfange ich die Absolution. Wer hätte das für möglich gehalten: Der Barmherzige Vater, und das mir. Mit blütenweißer Weste verlasse ich die Kirche, und draußen vor der Tür spiegelt sich auf dem Kopfsteinpflaster von Stift Göttweig die gleißende Morgensonne. Halleluja!